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#Coaches4Hope: Zwischen Ohnmacht und Neubeginn: Was passiert, wenn selbst erfahrene Menschen ihren Job verlieren

Es ist ein Satz, der oft unscheinbar beginnt und doch weitreichende Folgen hat:

„Wir müssen uns leider von Ihnen trennen.“


In Gesprächen mit Teilnehmer:innen der Initiative #Coaches4Hope zeigt sich, dass eine Kündigung weniger als punktuelles Ereignis erlebt wird, sondern vielmehr als Beginn eines Zustands: Unsicherheit, die sich ausbreitet und nicht nur das Berufsleben betrifft.


Die Initiative selbst ist aus genau dieser Beobachtung heraus entstanden und wurde bewusst ehrenamtlich organisiert. In den vergangenen drei Monaten konnten rund 25 Menschen ohne Job kostenfrei begleitet werden. Möglich wurde das durch ein Netzwerk freiwilliger Coaches (ohne Fördermittel) mit unterschiedlichen Schwerpunkten: von Selbsterfahrung und innerer Klärung über die Überarbeitung von Lebensläufen bis hin zur Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche.



Der Moment danach

Unmittelbar nach einer Kündigung berichten viele von einem Gefühl, das sich nur schwer greifen lässt. Es ist eine Mischung aus Schock, innerer Leere und gleichzeitigem Druck, rasch handeln zu müssen.

„Ich wusste nicht, ob ich zuerst meine Gedanken sortieren oder Bewerbungen schreiben soll“, beschreibt es eine Teilnehmerin.

Die Reaktionen verlaufen individuell. Manche verspüren kurzfristig Erleichterung, andere geraten sofort in eine Spirale aus Zweifel und Selbstkritik. Gemeinsam ist vielen jedoch das Gefühl, den eigenen Stand verloren zu haben.


Wenn das Umfeld zur zusätzlichen Belastung wird

Was folgt, ist oft ein zweiter, weniger sichtbarer Druck: jener aus dem sozialen Umfeld.

Fragen wie „Hast du dich schon beworben?“ oder „Wie geht es jetzt weiter?“ sind meist Ausdruck von Sorge. Doch sie entfalten eine andere Wirkung. Sie setzen einen Takt, dem viele innerlich noch nicht folgen können.


In den Gesprächen wird deutlich, dass sich hier etwas überlagert: die Unsicherheit der Betroffenen und die unausgesprochenen Ängste der anderen.

„Ich weiß, dass es gut gemeint ist“, sagt ein Teilnehmer. „Aber ich hatte das Gefühl, ich muss sofort funktionieren.“


Ein Arbeitsmarkt, der vertraute Muster auflöst

Diese innere Dynamik trifft auf eine äußere Realität, die viele als irritierend, teils sogar entfremdend beschreiben. Seit geraumer Zeit stehen unterschiedliche Branchen unter Druck. Wirtschaftliche Instabilität, Restrukturierungen und schleichende Kündigungswellen prägen das Bild. Für die Betroffenen verdichtet sich diese Entwicklung jedoch nicht in Statistiken, sondern in sehr konkreten Erfahrungen. Im Gespräch selbst, in der Art und Weise, wie Trennungen kommuniziert werden, und in dem, was danach folgt.


Was in Erinnerung bleibt, ist weniger die Entscheidung an sich, sondern ihre Ausgestaltung. Wie das Gespräch geführt wurde. Was gesagt oder nicht gesagt wurde. Und wie wenig Orientierung die Zeit danach oft bietet. Gleichzeitig verändert sich auch der Bewerbungsprozess spürbar.


Selbst Personen mit langjähriger Erfahrung und Führungsverantwortung berichten von:

  • einer hohen Zahl an Bewerbungen ohne Rückmeldung

  • Gesprächsprozessen, die abrupt enden

  • standardisierten Absagen ohne nachvollziehbare Begründung


Ich erkenne diesen Markt nicht mehr wieder“, sagt eine Führungskraft, die über Jahre hinweg problemlos Positionen wechseln konnte.

Bemerkenswert ist dabei weniger die Existenz dieser Phänomene als ihre Breite. Die Unsicherheit betrifft längst nicht mehr nur Berufseinsteiger:innen. Viele der Betroffenen verfügen über stabile Karrieren, internationale Erfahrung und gewachsene Netzwerke und stehen dennoch vor einer Situation, die sich ihrer bisherigen Logik entzieht.


Der eigentliche Verlust

Was in den Gesprächen immer wieder sichtbar wird, ist eine Verschiebung der Perspektive: Der Verlust betrifft nicht primär die Stelle, sondern das Selbstverständnis.

Selbstvertrauen, das über Jahre aufgebaut wurde, beginnt zu erodieren. Fragen, die zuvor keine Rolle spielten, rücken in den Vordergrund: Bin ich noch gefragt? War mein bisheriger Weg richtig? Wo stehe ich eigentlich?

Diese Entwicklung wird verstärkt durch strukturelle Faktoren, die selten offen adressiert werden. Alter, Branchenwandel oder auch ein Migrationshintergrund beeinflussen die Chancen – oft subtil, aber spürbar.


Was klassische Unterstützung nicht leisten kann

Institutionelle Angebote konzentrieren sich in der Regel auf das Sichtbare: Lebensläufe, Bewerbungsstrategien, Vermittlung. Das ist notwendig – greift aber häufig zu kurz.

Denn viele Betroffene befinden sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht in einem Zustand, in dem sie strategisch handeln können. Sie reagieren.


Die Initiative Coaches4Hope setzt genau hier an. In den Rückmeldungen der Teilnehmer:innen zeigt sich ein wiederkehrendes Muster:

„Ich hatte endlich wieder Klarheit, statt nur Druck.“ „Mir wurde geholfen, in einer Zeit, in der ich dringend Hilfe gebraucht habe.“

Auffällig ist, dass diese Aussagen weniger auf konkrete Maßnahmen abzielen, sondern auf eine Erfahrung: gehört, ohne bewertet zu werden.


Veränderung der Sichtweise: Die Rolle der inneren Arbeit

Ein zentrales Thema, das sich durch die meisten Gespräche zieht, ist die Bedeutung innerer Arbeit. Gemeint ist damit nicht Selbstoptimierung, sondern ein Prozess der Klärung: Was ist gerade wirklich los? Welche Muster wiederholen sich? Was brauche ich tatsächlich?

Ohne diesen Schritt entsteht häufig ein Aktivismus, der wenig Wirkung zeigt. Bewerbungen werden verschickt, Gespräche geführt – doch die grundlegende Unsicherheit bleibt bestehen.

Erst wenn sich der Blick nach innen richtet, verändert sich auch das Außen.


Zwischen Reflexion und Neuorientierung

Interessant ist, dass viele Teilnehmer:innen die Phase nach der Kündigung rückblickend nicht nur als Krise beschreiben. Sie eröffnet auch einen Raum, der im regulären Arbeitsalltag oft fehlt. Die Frage verschiebt sich von „Was ist mein nächster Job?“ zu „Was will ich eigentlich und unter welchen Bedingungen?“

Nicht alle gehen diesen Schritt bewusst. Doch jene, die ihn tun, berichten von einer anderen Qualität der Entscheidung.


Was Organisationen daraus lernen können

Die Erfahrungen werfen auch Fragen an Unternehmen auf.

Kündigungen werden häufig als notwendige, aber administrative Prozesse behandelt. Was dabei oft unterschätzt wird, ist die Wirkung des Gesprächs selbst. Wie ein Kündigungsgespräch geführt wird, prägt nicht nur den Moment, sondern auch die Verarbeitung danach.


Zwar bieten bereits einige Unternehmen Outplacement Programme an, um den Übergang zu begleiten. Diese leisten in vielen Fällen wertvolle Unterstützung, insbesondere bei der strukturierten Jobsuche. Gleichzeitig zeigen unsere Erfahrungen, dass hier oft Lücken bestehen.


Was häufig fehlt, ist Raum für innere Arbeit. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Situation, mit Selbstbild, Motivation und möglichen neuen Richtungen kommt zu kurz. Ebenso beobachten wir, dass die Beratung zur Neupositionierung oft nicht ausreicht. Fragen wie „Wer bin ich beruflich heute?“ oder „Wie übersetze ich meine Erfahrung in ein aktuelles, zeitgemäßes Profil?“ bleiben vielfach unbeantwortet. Auch die Überarbeitung von Lebensläufen orientiert sich nicht immer an den Anforderungen eines sich wandelnden Arbeitsmarktes.


Es fehlt vielerorts an Vorbereitung, an Sensibilität und an einem realistischen Verständnis dafür, was in diesen Situationen ausgelöst wird.


Unterstützung als gesellschaftliche Aufgabe

Die Beobachtungen aus Coaches4Hope verweisen auf eine größere Frage: Wie gehen wir als Gesellschaft mit beruflichen Übergängen um?

Derzeit liegt die Verantwortung weitgehend bei den Einzelnen. Gleichzeitig zeigt sich, dass gerade in Phasen der Unsicherheit Unterstützung von außen entscheidend sein kann.

Nicht als Lösung im klassischen Sinne. Sondern als Möglichkeit, wieder handlungsfähig zu werden.


Ein leiser Wendepunkt

Viele der Teilnehmer:innen beschreiben keinen plötzlichen Durchbruch, sondern eine schrittweise Veränderung. „Ich bin nicht mehr blockiert“, sagt eine Person. „Ich kann wieder handeln.“ Es ist ein leiser, aber wesentlicher Unterschied.

Denn bevor neue Perspektiven entstehen, braucht es oft etwas Grundlegenderes: die Rückkehr zu einem Gefühl von Stabilität. Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Herausforderung und zugleich die Chance dieser Phase.


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